Hans Hushan

©HansHushan
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Was ist real? Sind es nur die Dinge, die wir sehen oder auch alle Dinge, die wir uns vorstellen können? Sind Gedanken auch Materie und besteht die Welt aus Bewusstseinsstrukturen? Hans Hushan sieht die Frage in seinen Bildern beantwortet. Wir Leben in Bildern von Bildern von Bildern und alles sind letztlich Relationen. Relations – all the way down! Dennoch, hier geschieht nichts ausserhalb eines metaphysischen Rahmens und nichts entsteht ausserhalb eines Raumzeit- und Energiefeldes. Diese Erkenntnis fasst der Künstlerphilosoph in eine leicht lesbares Konzept aus zwei grundlegenden Strukturen. Zunächst der Bildhintergrund, der aus geometrischen Flächen besteht. Homogen und flaggenhaft gemalt symbolisiert er die Raumzeit und begründet die Bühne für den Bildvordergrund, wo sich energetische Farbschleifen aus reiner Ölfarbe zu abstrakten oder anthropomorphen Figuren kräuseln. Die Synthese aus Vorder- und Hintergrund schaffen eine synergetische Harmonie. Sie scheinen mehr Bildidee als Abbildung zu sein, eine Essenz der Wirklichkeitsentstehung als imaginärer schöpferischer Akt im Bewusstsein eines jeden Betrachters.
Hans Hushan

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Popart heroisiert und ironisiert die Banalität sozialer Wirklichkeiten wie alltägliche Waren, Medien-Idole, oder Statusobjekte. Sie nimmt ihnen jegliche Komklexität zugunsten einer monumentalen und blasenförmigen Simplifizierung die zugleich glamourös, komisch und überwältigend ist. Hans Hushan`s RAW POP dekonstruiert die Popblase durch ein archaische, expressiv-abstrakte Brechung mittels klassischer crossingover Techniken in der Gegenüberstellung verschiedener Medien wie Malerei, Fotografie und Skulptur, in der gängige Klischees gebeugt, entlarvt oder neu besetzt werden. Massenhaft gemalte Bilder und eine Flut von digital erzeugten Fotos sind selbst zu Klischees von „Kunst“ geworden.

Die Bilderflut der Massenmedien entwertet den Inhalt des Bildes, das Hushan darum einer gezielten Brechung unterzieht, in der die Fragmente neu zusammengestzt und kulturhistorische Ebenen zu einer neuen Komplexität collagiert werden und dadurch so am Ende einen mythischen Bedeutungsgehalt zurückgewinnt, wobei er Fragen wie der nach Bildbedeutung und Bildbeliebigkeit gegeneinander ausspielt und damit zugleich spielerisch aber auch recht roh umgeht. RawPop spürt archaischen Kräften nach, nach neuen Möglichkeiten derer visueller Remobilisierung. In Anknüpfung an austerbende „tribal“ und „primitive“ Ästhetiken mit deren rohen Konturen, haptischen Formensprache und lauten Farbkombinationen greift sie noch ungestellte Fragen eines zunehmend visuell geprägten Zeitalters auf und antwortet auf sie.

In einer tieferen Ebene untersucht RawPop Genderfragen, Idolisierungen, Machismus, Rebellion, Medialismus und Isolation des Individuums. Getragen von Wiedersprüchen und emotionaler Energie steht hinter allem die Suche nach Identität in einer Welt, die immer mehr von einer virtuellen Gleichgültigkeit eingenommen wird, die zu personeller Entleerung von Werten , Leidenschaften und innerer Verbundenheit führt. Dieser Aporie zu wiederstehen und sich als Individuum zu behaupten ist seit jeher die Domäne künstlerischer Avantgarde, als Vorreiter und Keimzelle der Rebellion gegen industriell erzeugte kulturelle Gleichschaltung und Vereinnahmung die heute mittels technologischer Massenkonfektion und Daten(raub)handel auf alle einen schleichenden Zugriff hat. Gegenwärtige Erfolgskunst ist ungebremst in den Kapitalmarkt mit all seinen Mechanismen eingeschleust, in der ein ursprüngliche rebellische und Anti-Establishment Haltung ausverkauft , nicht mehr auffindbar ist. Eine Peinlichkeit, die nicht nur zunehmend unerträglich wird, sonder als System sich selbst immer mehr aushöhlt. Der Karrierekünstler hat seine kritische politische Dimension aufgegeben oder er heuchelt sie nur noch vor. Wir brauchen wieder mehr Arte Povera, mehr Handgemachtes, roh Sinnliches. Wir brauchen RAW, das heisst echte Authentizität.
Zumindest einen Weg dahin.
Hans Hushan

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